Die Geräusche, welche die Darmperistaltik herbeiführt, kommen durch die Fortschaffung des Darminhaltes zu Stande. Ihre Entstehung ist an das Vorhandensein von flüssigem oder weichem Futterbrei und Gasen (Darmgasen) im Intestinaltractus gebunden. Ohne die Anwesenheit von Gasen im Darmkanal können hörbare peristaltische Geräusche nicht entstehen. Im Allgemeinen wird die besondere Beschaffenheit der Dünndarmgeräusche durch die Fortschaffung von flüssigem oder halbflüssigem Inhalt bestimmt, während der Charakter der Dickdarmgeräusche von der Fortschiebung des mehr fest weichen Futterbreies und der Darmgase bedingt ist. Sowohl unter normalen, als unter abnormen Verhältnissen hat die ungleiche Füllung des Darmkanals einen wesentlichen Einfluss auf die Intensität der Darmgeräusche. Je stärker der Druck ist, mit welchem der Inhalt eines Darmstückes in das benachbarte Stück getrieben wird, um so lebhafter gestalten sich die Darmgeräusche. Die Oscillationen des Darminhaltes theilen sich der in einem geringen oder höheren Grade der Spannung befindlichen Darmwandung mit, von welchen sie auf die benachbarten Darmpartien und auf die Bauchwand fortgeleitet werden. Dass die Schallschwingungen von -den am Zwerch
feil gelegenen Theilen des Gastro - intestinaltractus sich auch auf die Brustorgane und die Brustwandungen fortsetzen und an den letzteren gehört werden können, ist schon S. 55 erwähnt worden.
Darmgeräusche entstehen nicht continuirlich, sondern nach kürzeren oder längeren Zwischenzeiten. Ihre Intensität ist schon bei gesunden Pferden und noch mehr bei Darmkrankheiten in den einzelnen Theilen des Intestinaltractus sehr ungleich. Es ist daher zu diagnostischen Zwecken empfehlenswerth, die Auscultation des Bauches an beiden Seiten einige Minuten fortzusetzen, um über den Grad und Umfang, in welchem die Darmgeräusche krankhaft vermehrt oder vermindert sind, ein sicheres Urtheil zu erlangen.
Die Dünndarmgeräusche besitzen theils den Charakter des Gurgeins, theils denjenigen des Plätscherns („plätschernde Geräusche"); dieselben sind gewöhnlich an der rechten Seite deutlicher, als an der linken zu hören. Der Klangfarbe einzelner Töne, welche sich in dem peristaltischen Geräusche des Dünndarms geltend machen, entspricht der Ausdruck: „kluckernde Geräusche" oder „Gluck-Gluck-Geräusche". — Die gesteigerte Peristaltik des Dünndarms, bei welcher der flüssige Nahvungs-brei abnorm schnell befördert wird, macht sich durch die Gehörswahrnehmung des Pliessens („fliessende Geräusche") bemerklich. Sehr deutlich treten diese Geräusche nach der Einverleibung grosser Dosen der Abführmittel hervor. Soweit die Dickdarm Peristaltik hörbar ist, kennzeichnet sich dieselbe gewöhnlich als ein langgedehntes „Gurren" oder „Knurren". Stärkere Dickdarmgeräusche sind als „Ko 11 ern" oder „Po 1-tern" zu vernehmen, meist an der linken Seite stärker, als an der rechten.
Die peristaltischen Geräusche können in Folge mangelhafter Innervation durch die Darmganglien und durch Behinderungen in der Fortbewegung des Darminhaltes abnorm vermindert sein. Am meisten wird dies bei den unter dem Namen der Kolik zusammengefassten Darmkrankheiten beobachtet, bei welchen Darmgeräusche sehr oft während einer kürzeren oder längeren Zeit ganz fehlen. Bei Meteorismus des Darms, mit welchem eine erhebliche Abschwächung und oft eine Sisti-rung der Peristaltik, starke Ausdehnung und Spannung der Darmwandungen durch Gase bestehen, sind häufig abgebrochene und helltönende („klingende") Geräusche zu hören, deren Entstehung auf die mit der langsamen Fortbewegung der Contenta eingeleitete Oscillation der stark gespannten Bauchwand zurückzuführen ist. Nicht selten macht das klingende Darmgeräusch den Eindruck des Tones, welcher durch das Herabfallen eines Tropfens in einen Metallkessel erzeugt wird („Geräusch der Gutta cadens").
Neben den vorstehend besprochenen Eigenschaften der peristaltische'n Schallproductionen ist es in der tierärztlichen Praxis üblich: schwache, massig starke, kurze, langgedehnte und lebhafte Dünn- und Dickdarmgeräusche zu unterscheiden, auch das Fehlen derselben als diagnostisches Merkmal zu beachten. Bemerkenswerth ist ausserdem die Thatsache, dass bei Lähmungen des Blinddarms oder eines Theils des Grimmdarms (chronische Kolik) das Dickdarmgeräusch fehlt, während Dünndarmgeräusche noch entstehen und dass bei Magenzerreissung oder Dünndarmverstopfung die Untersuchung der Pferde oft den entgegengesetzten Befund ergiebt. Ist das Colon durch Gefäss-Embolie und -Thrombose gelähmt, so kommt der Regel nach sowohl im Dickdarm, als im Dünndarm kein peristaltisches Geräusch mehr zu Stande. Ueber die differen-tielle Semiotik dieser Zustände gegenüber der einfachen Koprostase und den Dislocationen und Incarcerationen von Darmtheilen wird bei der Kolik Näheres angeführt werden.
Ausser nach der Einverleibung von Abführmitteln und dem Genüsse gewisser Futterstoffe wird die gesteigerte Darmperistaltik durch oberflächliche Reizungen der Dünn- und Dickdarmschleimhaut hervorgerufen. Die Processe können als selbständige Affectionen des Gastro-Intestinal-tractus und als Bestandteile allgemeiner Krankheiten, auch als con-secutive Entzündungen der Darmschleimhaut nach der Aufnahme eiterigjauchiger Stoffe in das Blut zur Ausbildung kommen. Immer hat die gesteigerte Peristaltik, wenn sie nicht in wenigen Stunden vorübergeht, diarrhoische Entleerungen des Darms zur Folge. Unrichtig ist aber die vielfach verbreitete Ansicht, dass bei jedem Durchfall die Darmgeräusche auffällig laut sein sollen. Nur wenn der Darm noch in ziemlicher Quantität Nahrungsbrei resp. Wasser und Gase enthält, sind beim Durchfall die Darmgeräusche krankhaft gesteigert (Fliessen und Poltern). Wenn aber, wie nach der Resorption der Producte von entzündlichem Gewebszerfall (beim sogenannten colliquativem Durchfall) oft zu beobachten ist, der Bauch zusammenfällt und grösstentheils nur die krankhaften Secrete des Darms zur diarrhoischen Ausscheidung gelangen, so verbleiben die Darmgeräusche trotz der diarrhoischen Entleerung und der dieselbe bedingenden Peristaltik auf einem niedrigen Grade.
Darmexcremente. Quantität und Qualität der Darmexcremente richten sich de norma nach dem Futter, welches die Pferde verzehren. Das Getränk hat keinen bemerkenswerthen Einfluss auf die Beschaffenheit derselben, weil das im Uebermass genossene Wasser im Darm zur Resorption kommt. Bei diarrhoischen Entleerungen wird aber auch ein grosser Theil des genossenen Wassers aus dem Darm ausgeschieden.
Obwohl die Ernährung des Pferdes in viel geringerem Verhältnisse, als beim Rinde mit fremdartigen Mitteln bewirkt werden kann, so um- i fasst doch die Zulässigkeit von Modificationen in der Fütterung noch j ein grosses Gebiet. Deshalb lässt sich gegenüber der Mannigfaltigkeit J der bei Pferden üblichen Verpflegung die normale Beschaffenheit der ; Darmexcremente kaum mit wenigen Worten bezeichnen. Das Volumen J der Excremente ist vorzugsweise abhängig von der Quantität der mit | dem Futter aufgenommenen unverdaulichen Cellulose. Pferde, die nur • Rauffutter erhalten oder dauernd auf Weiden leben, entleeren grössere Haufen'von Excrementen, als diejenigen Pferde, welche nur Futter mit j engem Nährstoff-Verhältniss aufnehmen. Das Gewicht der in einer be- f stimmten Zeiteinheit abgesetzten Excremente differirt in geringerem Masse. \ Nach Siedamgrotzky-Hofmeister werden bei reiner Wiesenheunah- \ rung durchschnittlich von einem Pferde pro Tag 16,5 Kilo und bei Hafer, ] Heu und Häcksel 9—10 Kilo Darmexcremente ausgeschieden. Bei den 1 schweren Arbeitspferden, welche pro Tag dreimal mit Hafer bis zur 1 vollen Sättigung gefüttert werden, beträgt das Gewicht der täglichen ; Darmexcremente eben so viel, als bei den Pferden gleicher Grösse, die ; vorzugsweise Rauffutter verzehren. — Die Entleerung der Darmexcremente geschieht bei gesunden Pferden, die im Stalle verbleiben, innerhalb 24 Stunden durchschnittlich 9 —10 Mal. Während der Arbeit, namentlich bei der Bewegung im Trabe steigert sich die Darmperistaltik und die Entleerungen folgen häufiger und schneller aufeinander. Ebenso mehrt sich die Zahl der Entleerungen durch die Futter- und Arzneimittel, welche die Peristaltik anregen. — Form, Gonsistenz, Farbe und Geruch der abgesetzten Fäces differiren schon nach Massgabe der Fütterungsart und innerhalb normaler Grenzen sehr erheblich. Die Farbe wird theils durch die in dem Futter enthaltenen Farbstoffe, theils durch die Verdauungssäfte, namentlich die Galle bestimmt. Die Verabreichung von Eisenpräparaten in grossen Dosen veranlasst eine schwärzliche Färbung der Excremente. — Junge Fohlen, die nur Milch gemessen, setzen gelblich gefärbte Fäces ab. — Pferde, die vorwaltend voluminöses Rauffutter erhalten und Weidepferde entleeren locker geballte Fäces von dunkelbrauner Färbung in grossen Haufen, welche frisch entleert einen eigenthümlichen Geruch haben, dessen specielle Natur bislang aber nicht ermittelt ist. — Geniessen die Pferde in abgemessenen Rationen Hafer mit Häcksel und Heu, so sind die Fäces festgeballt und von brauner Farbe; die Kothballe oft kaum merklich, oft auch reichlich mit Darmschleim umhüllt. Karge Fütterung bedingt, dass nur geringe Mengen von Excrementen entleert werden. — Bei reichlichem Genüsse von Getreide (Hafer, Mais, Bohnen, Erbsen, Roggen: in Körnern oder geschroten) gelangen die Fäces in breiiger Form und in grauweisser oder gelblichgrauer Farbe zur Ausscheidung. Sie enthalten noch grössere Mengen von nicht zur Assimilation gekommenen Nährstoffen, die nicht selten zum Theil durch Fäulniss zersetzt sind und einen penetranten Geruch verbreiten. — Nach dem Genüsse von jungem Grünfutter setzen die Pferde bräunlich gefärbte Kothmassen von flüssiger oder halbflüssiger Oonsistenz ab. Die reichliche Verwendung von älterem Grünfutter veranlasst bei einzelnen Pferden, dass beim Kothabsatz zuerst flüssige Excremente von brauner Färbung und darauf locker geballte Excremente zur Ausscheidung kommen. Die Erscheinung ist mit einer Schwäche der Dickdarm-Verdauung in Verbindung zu bringen; aber eine bemerkenswerthe Störung der Gesundheit habe ich an den betreffenden Pferden nie beobachtet. — Die chemische Reaction der von gesunden Pferden abgesetzten Fäces ist schwach alkalisch oder neutral; bei verzögerter Entleerung nicht selten stellenweise schwach sauer (Milchsäure).
Darmgase werden mit den Fäces, sehr oft aber zu anderer Zeit und nicht selten mit hörbaren, mehr oder weniger scharfen Geräuschen eliminirt.
Da die Störungen der Darmfunctionen theils in Folge primärer Magen- und Darmkrankheiten, theils als begleitende Zufälle der meisten allgemeinen Krankheiten bei Pferden überaus häufig vorkommen, so sind die Darmentleerungen von grossem diagnostischen Interesse. Die Verzögerung derselben kann zunächst in der abnorm spärlichen Aufnahme von Futter ihre Ursache haben. Bleibt die krankhafte Beschränkung des Appetits mehrere Tage oder länger fortbestehen, so verengt sich der Darmkanal und die spärlich und in langen Zwischenzeiten entleerten Excremente erlangen die Form abnorm kleiner Bälle, die oft in der äussersten Schicht von Darmschleim durchtränkt und überzogen sind und ein glänzendes (lackfarbenes) Ansehen, sowie eine dunkelbraune Farbe haben. — In vereinzelten Fällen ist die Verzögerung der Ausscheidung von Darmexcrementen (Verstopfung) in einer selbständigen Atonie des Darms (mangelhafter Peristaltik) begründet und der Appetitmangel erst eine Folge der krankhaft verminderten Darmbewegung. Dabei kann die Entleerung von Fäces mehrere Tage lang unterbrochen sein, ohne dass die Pferde an Kolik erkranken. — Am häufigsten ist aber die Zurückhaltung der Excremente ein Symptom der Kolik. — Paralyse des Mastdarms macht die spontane Entleerung fester und festweicher Excrete unmöglich. Die länger als einen Tag dauernde Zurückhaltung der letzteren im Mastdarm verursacht das Auftreten von Kolik.